Ein alter Körper sitzt an einem massiven Holztisch in einer bäuerlichen Stube. Seine Hände, rau und rissig, Jahrzehnte alter Erde in den Falten, liegen zu lockeren Fäusten gewinkelt auf dem Tisch.
Die Ellen lassen die Hände ruhen und den Bogen penibel am Rand einen 90 Grad Winkel zur Tischkante bilden. Gerade, wie eine hochgewachsene Fichte im Forst, hält der Rücken den alten Körper und bildet mit den Schultern ein Kreuz.
Er zieht den Sauerstoff tief in seinen Bauch ein, will dem Gift seinen inneren Raum nehmen, es verdrängen. Es rausziehen, durch die Mund entweichen lassen. Was im inneren war, ist nun im äußeren. Es gibt keine Grenzen zwischen dem ich und dem Raum.
Mein Körper findet keinen Raum mehr. Die Enge nimmt mir die Luft zum Atmen. Etwas kriecht unter dem Türspalt zwischen Fliesen und Holz, dann über meine Fußspitzen hoch, in meine Beine. In meinem Bauch greift es zu meinem Herzen. Es beginnt zu rasen und ich spüre kalten Schweiß an meinen Füßen, meinen Armen, meinen Ohren.
Zeit ist relativ zur Masse eines Körpers. Zeit steht in keinem Verhältnis zur Seele.
Die Stille im Haus wird zu einem Rauschen in seinem Kopf. Er kommt nicht zur Ruhe, die Gedanken werden lauter, spalten sich von ihm. Seine Lippen nippen an einem Glas Rotwein.
Ich ziehe meine Hand von der Klinke der Tür und schleiche mich langsam zurück in mein Zimmer. Ich weiß, dass er mich trotzdem hört.
Ich ertrage das Gift der Stille nicht. Ich höre die Stille und sehe die Befehle, die sich eingeprügelt haben. Sein Ich wird zu meiner Angst. Seine Angst zu seiner Realität. Ohne Grenzen. Alles an ihm ist langsam, verzögert, bedacht. Wie ein Kind, das Mann sehen aber nicht hören darf
